On this page, cookies are needed if you want to use the full range of the page. Please activate cookies and refresh that page. After refresh a cookie management dialogs will be available.

The cookie settings on this website are set to 'allow only strictly necessary' to give you the very best experience. If you continue without changing these settings, you consent to this - but if you want, you can change your settings at any time at the bottom of this page. Our cookie policy

 

Newsletter für Planer

INST_62_96_Teaser3_Newsletterabo

Informationen zu relevanten Themen per E-Mail

 
 

Bisherige Newsletter-Ausgaben auf einen Blick.

 
 

Der EN-Norm Entwurf „Dienstleistungen für Sicherheitsanlagen“ prEN 16763 und seine Implikationen

Nachdem schon über viele Jahre Geräte und Anlagen Gegenstand der europäischen Standardisierung sind, ist mit der Inkraftsetzung der EU Richtlinie 2006/123/EG ‚Dienstleistungen im Binnenmarkt‘ im Jahre 2010 auch das für die Sicherheitsbranche wirtschaftlich gewichtige Feld der Dienstleistung für elektronischen Sicherheitsanlagen in den Fokus gerückt. Das Ziel der verbindlichen EU-Richtlinie ist es, weitgehend die Barrieren bei der grenzüberschreitenden Erbringung von Dienstleistungen abzubauen, um dadurch ein unzureichend entwickeltes Potential an Wirtschaftsleistung in der EU zu erschließen.

Ausgangslage

Die EU-Richtlinie trifft auf dem Gebiet der elektronischen Sicherheitstechnik auf national unterschiedlich ausgeformte Regelungen. So auch in Deutschland, wo unter andrem zahlreiche VDE-Richtlinien, DIN-Standards oder VdS-Richtlinien gültig sind.

Ausgehend von einer Initiative des europäischen Verbands der Sicherheitsindustrie Euralarm und mit der Unterstützung deutscher Interessenvertretungen wie ZVEI und BHE, wurden ein nationales und im Weiteren ein europäisches Normungsgremium unter deutschem Sekretariat gebildet (NA159-01-16GA, CEN/CENELEC-TC 4). Diese haben sich der Aufgabe angenommen eine europäische Basisnorm auf dem Gebiet der Dienstleistung zu erstellen. Der vorliegende Normentwurf prEN16763 ‚Dienstleistungen für Sicherheitsanlagen‘ ist das Ergebnis.

Zielsetzung der Norm

Die prEN 16763 soll erstmalig eine ‚Europäische Basisnorm‘ für das Qualitätsniveau von Dienstleistungen im Sektor der breit gefächerten elektronischen Sicherheitsanlagen schaffen. Ihren Anwendungsbereich kann man verkürzt mit den Schlagworten Brandmeldetechnik, Alarmanlagen und Löschanlagen umreißen. Exakter gefasst sind es die Anlagen, die in den ‚Scopes‘ der Technischen Komitees TC72, TC79 und TC191 auf CEN-Ebene behandelt werden.

Der Normentwurf behandelt Qualitätsanforderungen, um diese Anlagen zu planen, zu projektieren, zu installieren, in Betrieb zu setzen, an den Kunden zu übergeben und instandzuhalten. Dafür werden generelle Qualitätsanforderungen formuliert, die den Dienstleister als Organisation betreffen, die an die involvierten Mitarbeiter zu stellen sind und es werden die Ansprüche fixiert, die für einen qualitativen Abschluss der Dienstleistungen gelten sollen. Spezielle Anforderungen für bestimmte Anwendungsgebiete sollen Anwendungsregeln (Application Guidelines) für Geräte und Anlagen festlegen. Damit fügt sich der Normentwurf schlüssig in den Kontext europäischer Normen auf den Fachgebieten von CEN/TC 72, CENELEC/TC 79 und CEN/TC 191 ein (vgl. Abb. 1). Insgesamt sind die Anwendungsregeln für Geräte und Anlagen auf europäischer Ebene allerdings bis heute noch lückenhaft.

Inhalt des Normentwurfs

Der Normentwurf betrachtet Dienstleistungen an Sicherheitsanlagen an einem durchgehenden Modell von Bearbeitungsphasen (vgl. Abb. 2), die von einem oder verschiedenen Unternehmen zusammenhängend oder abschnittweise erbracht werden können. Die Bearbeitungsphasen sind anwendbar für alle betrachteten Dienstleistungsgebiete sowie alle Unternehmen, unabhängig von Größe oder Organisationsform.

Der erste Hauptteil der Anforderungen behandelt die Rahmenbedingungen, die ein qualifiziertes Unternehmen ausmachen. Auf der Grundlage der formalen Außenidentifikation wie z. B. Tätigkeitsfeld, Handelsregister und Funktion der Verantwortlichen stehen die Anforderungen an den Dienstleister nach

• der geeigneten Ausstattung und Aufstellung, z. B. Betriebsmittel, Verantwortung, Qualifikation der Mitarbeiter

• der Erfahrung, Kompetenz und Fähigkeiten auf dem Fachgebiet

• den belegbaren Ergebnissen erfolgreich abgeschlossener Aufträge

Diese Eckpunkte werden untermauert durch Anforderungen an die Unternehmen, die Prozesse wie Auftragsüberwachung, Auftragssteuerung, Dokumentationserstellung, Informationsschutz, Qualitätsmanagement, Aus-und Weiterbildung sowohl auf der Produkt-, System- als auch auf der Vorschriften-und Richtlinienseite, im Betriebsablauf zu verankern.

Der zweite Hauptteil des Normentwurfs stellt die mit der Ausführung der Dienstleistung betrauten Personen in den Mittelpunkt. Der Normentwurf abstrahiert von jeglicher Organisationsform und spricht nur von sogenannten Rollen, in denen die zugeordneten Mitarbeiter in einer abgestuften Weise, die Verantwortung und Leistung für eine Auftragsausführung zu übernehmen haben. Daran gekoppelt sind Anforderungen an die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen. Die ‚Rollen‘verteilung sowie die Anzahl von Personen, die diese ‚Rollen‘ ausfüllen, ist eine Frage der Organisation, der Unternehmensgröße sowie der zu erbringenden Leistung und ist darüber hinaus individuell zu beurteilen. Der Basisteil dieser Anforderungen fußt auf den Beschreibungen des Europäischen Qualifizierungsrahmenwerks für lebenslanges Lernen (EQF), das auch in Deutschland bereits eingeführt ist unter der Bezeichnung DQR. Er wird ergänzt durch abgestufte Anforderungen, die das Arbeiten an Sicherheitsanlagen grundsätzlich erfordern.

Ein dritter Hauptteil schließlich legt in allgemeiner Form die Anforderungen an die Dienstleistungs-ergebnisse fest. Dies betrifft die Dokumentationserstellung für die Bearbeitungsphasen, die Schnitt-stellen in der Überleitung der Bearbeitungsphasen sowie die Abweichungen und Modifikationen des Realisierungsauftrages.

Ein informativer Normanhang schließlich beschreibt die gängigen Dokumentationsteile.

Stellenwert der zu erwartenden Norm

Die erwartete Norm an sich stellt keine detaillierte und umfassende Grundlage für eine europaweit einheitlich auslegbare Zertifizierung eines Dienstleisters dar. Sie ist gleichwohl eine erste Qualitätsgrundlage für das Gebiet der elektronischen Sicherheitstechnik, in der die gewachsenen nationalen Erfahrungen und Auffassungen in Europa für die nationale Ausrichtung verbindlich festgeschrieben sind.

Für die Zertifizierung eines Dienstleisters in einem speziellen Anwendungsbereich, wie wir sie in Deutschland kennen, ist die Norm in diesem Status zunächst nur in Verbindung mit den vorhandenen, ergänzenden nationalen Richtlinien anwendbar. Eine einheitliche paneuropäische Zertifizierung ist wegen des Fehlens zutreffender, europaweit geltender Standards noch nicht möglich.

Eine Zertifizierung auf dieser Grundlage im jeweils nationalen Bereich könnte europaweit zu nicht vergleichbaren Ergebnissen führen und damit zu einer Irritation der Kunden und zu einer Wettbewerbsverzerrung im grenzüberschreitenden Dienstleistungsaustausch. Um dies zu verhindern, wird zurzeit das Einvernehmen der betroffenen Interessenvertreter über eine abgestimmte Anwendung und Auslegung der Norm gesucht.

Die Normbearbeitung hat den Stand ‚Europäische Umfrage‘ erreicht. Das bedeutet, dass alle CEN/CENELEC-Mitglieder ihre Auffassung zum Normentwurf bis 26.11.2014 abgeben und ihre Zustimmung zu der Norm, gegebenenfalls mit ihren Änderungswünschen, erklären können.

 

Autor

Paul Langer
Obmann Normenausschuss DIN/NADL 159-01-16GA und Chairman CEN/CENELEC-TC4